Definitiv ja, nein, doch, oder?

Leute, Leute, wenn ich gewusst hätte, wie eine Wohnung aussehen und vor allem riechen kann… dann hätte ich mich nicht so auf die heutige Besichtigung gefreut. Diese war, nunja, sagen wir mal, anders…

Ich entschuldige mich vorab für etwaige Tippfehler, es könnten heute ein paar mehr als sonst sein, denn ich bin seit 4 Uhr wach. Ja, ich konnte nicht mehr schlafen, also hab ich eben meine Morgenroutine um 4 Uhr begonnen, hat auch was. Komischer Weise war ich dann um viertel vor sieben doch in Eile und schaffte es wie geplant gerade noch um kurz vor sieben aus dem Haus zu gehen. Nur um auf der Hälfte des Weges zur U-Bahn festzustellen, dass ich meine Maske vergessen habe. Also zurück gejoggt, Maske geholt, wieder los. Mal wieder schweißgebadet auf dem Weg zu einer Besichtigung, das war ein déja-vu. Am Zielbahnhof angekommen verfluche in google maps, welches mir gesagt hatte, dass der Weg zum Mieterzentrum nur 4 Minuten beträgt. Denkste Puppe, das waren mehr als 10 Minuten, aber ich schaffe es doch noch pünktlich um 8 Uhr dort zu sein. Ich klingle, werde eingelassen und hinter einer Plexiglasscheibe steht Herr K., mit dem ich schon telefoniert und gemailt hatte. Er ist sehr kurz angebunden und reicht mir einen Umschlag mit den Schlüsseln für die Wohnung auf dem zwar mein Name steht, aber mit „Herr“ davor, nicht „Frau“. Aha, denke ich, das scheint hier doch eher eine Massenabfertigung zu sein. Aber egal, ich will ja kein Date sondern eine Wohnung. Zurück zur U-Bahn, meine fährt auch gleich ein, das ist schick. Es beginnt eine 1-stündige Fahrt, die sich am Ende doch sehr zieht, aber dafür ist der Fußweg vom Bahnhof zur Wohnung recht kurz. Wenn man richtig läuft. Ich gucke auf meinen ausgedruckten Plan und sehe, dass ich zu weit gelaufen bin. Komisch, denke ich, ich hab das richtige Straßenschild aber doch gar nicht gesehen, es müsste links abzweigen. Also zurück und anhand der umliegenden Straßen eruiere ich einen kleinen Weg als den mutmaßlich richtigen. Aber ein Straßenschild gibt es dort nicht, da kann man ja lang suchen. Ich beglückwünsche mich zu meiner ausnahmsweisen guten Orientierung denn ich komme schließlich in der Straße an, in der die freie Wohnung ist.

Ich schließe die Tür zu ihr auf und schon trifft mich eine Wand aus einem seltsam muffigen Geruch. Mein erster Blick nach links ins „große“ Zimmer lässt mein Herz in die Hose sinken. Dunkel, klein, müffelnd. Hm. Mein erster gefühlter Eindruck ist nicht gut, aber ich reiße mich zusammen und nehme mir vor, das ganze positiv zu betrachten und zu gucken, wo ich was hinstellen könnte und mir vorzustellen, wie die Wohnung mit meinen Sachen drin wirken würde. Das Schlafzimmer ist angenehm hell, das Bad beunruhigend dreckig und die ganze Wohnung offensichtlich noch nicht zu Ende renoviert. Auch das blende ich aus und bin fest gewillt, die Wohnung schön zu finden. Allerdings läuft in der Küche scheinbar Wasser die Wände herunter und oben im Eck sieht es nach Schimmel aus. Wie ich beim zweiten Rundgang feststelle, wurde irgendwas an der Schlafzimmeraußenwand großflächig verputzt – später stelle ich fest, dass an genau der Stelle außen am Haus auch großflächig etwas verputzt wurde. Schimmel? Wasserschaden? Man weiß es nicht und leider ist ja auch niemand dabei, den ich fragen könnte. Ich werde langsam angestrengt, bin aber immer noch nicht bereit, aufzugeben. Eine Sozialwohnung ist ein Geschenk das man nicht so mir nichts dir nichts bekommt. Ich sollte froh sein, überhaupt eine angeboten zu bekommen. Also raus auf die kleine Terrasse. Mir gefällt sehr, dass ich hier viel mehr Himmel sehe als in meiner jetzigen Wohnung, das ist toll! Allerdings gibt es unweit von mir eine Sitzecke für die Mieter – das stelle ich mir an lauen Sommerabenden eher nicht so prickelnd vor, wenn sich da dann die Jugend des Viertels versammelt. Viel mehr stresst mich aber, dass der Garten, zu dem die Terrasse hinausgeht, von jedem von der Straße aus begehbar ist und da es nur ein paar Büsche als Grenze gibt, kann also quasi jeder auf meine Terrasse latschen. Das vermittelt mir ein mulmiges Gefühl. Zurück in die Wohnung. Ein zweites Mal trifft mich der unangenehme Geruch wie eine Wand. Woher soll ich wissen, ob ich den Geruch aus der Wohnung verbannen kann? Mein Eindruck ist, dass der sich schon in die Wände und den Boden gefressen hat. A propos Boden, das ist überall ein offenbar uralter, fleckiger PVC (oder Linoleum? ich weiß es nicht genau) der wirklich zum abgewöhnen ist. Aber wenn der Rest stimmen würde, wäre mir das egal, dann könnte man je selbst was drüber verlegen. Aber der Rest mag auch nicht stimmen, so sehr ich mich bemühe. Das Wohn- und Esszimmer ist so geschnitten, dass ein großer Teil davon wohl meist im Dunkeln liegt – ich hatte gedacht, dass durch die breite Fensterfront genügend Licht hinein kommt, aber das sieht nicht so aus. Doch am Ende, das ist mir jetzt klar, sind der Geruch und die Feuchtigkeitsflecken für mich ein echtes Problem.

Nachdem ich ca. 30 Minuten versucht habe, mir die Wohnung schön zu reden, verlasse ich das Haus und fahre zurück zum Mieterzentrum. Ich bin bald wieder voller Elan, weil ich mir vornehme, Herrn K. zu befragen, was es mit den Wasserflecken auf sich hat und sicher wird er mir sagen, dass das alles noch fachmännisch renoviert wird. Doch als ich nach einer weiteren Stunde Fahrt wieder im Mieterzentrum ankomme, ist Herr K. nicht zu sprechen. Ich solle meine Fragen bitte per Email stellen. Na gut. Dann eben das. So, das habe ich natürlich schon erledigt, habe meine Fragen mit Fotos garniert und bin jetzt sehr gespannt, was ich als Antwort bekomme. Was für ein Cliffhanger, *lach*!

Ich werde die Antwort von Herrn K. natürlich abwarten, doch ich habe auch schon mit Freundinnen über das Erlebte bzw. Gesehene gesprochen und der Trend geht derzeit eher zu einem nein. Ich sage „eher“, weil ich mir wie gesagt sehr dessen bewusst bin, dass Sozialwohnungen heiß begehrt sind und weil ich nicht weiß, was mir in Zukunft angeboten wird. Aber zu wieviel Kompromissen bin ich bereit? Noch habe ich keinen Zeitdruck, mir ist ja nicht gekündigt worden… kann ich es mir leisten, noch eine Wohnung abzusagen und hoffen, dass ich für eine andere, bessere, benannt werde? Ich hasse es, Entscheidungen treffen zu müssen, wenn ich nicht alle notwendigen Informationen vorliegen habe. Aber so ist das Leben, ich muss spekulieren und hoffen, dass ich nicht zu hoch pokere…

Nun denn, so werde ich diesen Tag jetzt ausklingen lassen und mich erholen und wer weiß, vielleicht bringt ja die Antwort von Herrn K. noch etwas entscheidendes Neues.

Ich wünsche Euch einen schönen Abend und seid gewiss, Fortsetzung folgt 🙂

Herzlich, Eure Merle

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