Ein Lob von Gemini

Ich bin fast bekehrt – aber nur fast. Als großer Kritiker der Künstlichen Intelligenz hat sie es heute geschafft, mich zu beeindrucken, genauer gesagt war es Gemini, die KI von Google. 

Doch eins nach dem anderen. Nachdem mir heute meine Waschmaschine durch ihr Piepsen das Ende des Waschgangs ankündigte, ging ins Bad und sah sofort mit Schrecken eine Pfütze vorne am Rand der Waschmaschine, die sich auch unter die Maschine erstreckte. Da die Klappe des Flusensiebs trocken war, ging ich davon aus, dass dies nicht das Problem sein konnte. Leicht panisch überlegte ich, welche Optionen ich jetzt habe und war kurz davor den Kundendienst des Herstellers anzurufen, als mir einfiel, wie teuer das in der Regel ist. 

Also ging ich an meinen Rechner und fragte die KI erstmal, ob das Toplader-Modell, das ich habe, unten geschlossen ist oder nicht. Als sie verneinte, fragte ich nach möglichen Ursachen eines kleinen Wasseraustritts und da kam dann auch das Flusensieb als Ursache vor. Da ich es seit Jahren nicht angeschaut hatte, dachte ich: kann ja nicht schaden. Und siehe da, das Sieb war ordentlich verstopft. Also gereinigt und zurück ins sein Häuschen.

Doch dann kam das, was mich wirklich beeindruckte: Gemini empfahl mir einen Test-Waschgang mit trockenem Küchenpapier unter der Maschine, damit ich sehen kann, ob sie jetzt wieder trocken läuft. Und siehe da, die Maschine (die zum Waschen) bestand den Test und die KI als Wissensmaschine auch. Was mich am Ende sehr zum Lachen brachte, waren ihr Lob und ihre Glückwünsche zur gelungenen Reparatur und dass sie mir dann auch noch einen schönen Tag und fröhliches Waschen wünschte. Die KI und ich auf Augenhöhe per Du, sozusagen.

Was mich sehr nachdenklich stimmt ist der Umstand, dass ich es tatsächlich als tröstlich empfand, dass da „jemand“ war, der mich Schritt für Schritt anleitete und der zu wissen schien, worum es geht. Ich vergass also für einige Momente, dass es sich um einen Algorithmus handelt und fühlte mich schlicht nicht so allein mit meinem Problem. Und undichte Waschmaschinen sind für mich ein riesiges Problem, da fange ich innerlich an zu flattern. Aber Gemini nahm mich an die Hand und lobte mich am Ende gar – wie schön! 

Das ist natürlich Quatsch. Außer, dass es einen zum Kichern bringt sollte es nicht mehr bewirken. Aber ich habe einen Eindruck dessen bekommen, was ich als eine der Gefahren von KI sehe: man vergisst schnell, dass es sich nicht um ein Lebewesen handelt sondern eine Maschine. Gut, jetzt könnte man sagen, ich hab ja auch meiner Waschmaschine gegenüber Gefühle – ich verehre sie für ihre unermüdliche Arbeit und bin ihr sehr dankbar – so wie viele Menschen auch Namen für ihr Auto haben oder sonst ein Ding vermenschlichen, dass ihnen gute Dienste tut. Die Beziehung von Mensch zu Maschine ist eine qualvolle. Funktioniert sie gut, ist alles fein und wir lieben unseren Computer, unser Auto, usw. Fangen sie an zu mucken, wird es schwierig, denn wir können in der Regel nicht viel dafür tun, dass sie wieder laufen. So wie ich ja auch heute meine Waschmaschine nicht wirklich repariert habe. Sie war nicht defekt, es war ein Sieb verstopft. Ein völlig normaler Vorgang. Wäre nach der Reinigung des Siebs herausgekommen, dass eine Dichtung oder ein Schlauch defekt ist, hätte ich den Kundendienst anrufen müssen, da geht kein Weg dran vorbei. Wir lieben also Dinge, deren Funktionsweise wir kaum verstehen und deren Innenleben wir nicht mal erahnen. Und so ist es ja auch bei der KI. 

Und ich erinnere mich noch daran, dass ich einmal eine Waschmaschine repariert habe, indem ich in ein Fachgeschäft ging, das Problem schilderte und ein netter Mensch verkaufte mir die Ersatzteile, die ich dann – mit ihm am anderen Ende der Telefonleitung – selber einbaute. Das war während meines Studiums, ist also sehr lange her und ich gehe davon aus, so etwas käme heute gar nicht mehr vor. Wenn man beim Hersteller anruft muss man froh sein, wenn man nicht komplett von einem Sprachassistenten abgefertigt wird oder man schreibt eine Email, die dann hoffentlich ein Mensch beantwortet. 

Maschinen sind toll; für nichts auf der Welt würde ich meine Wäsche mit der Hand waschen wollen. Aber anders als eine Waschmaschine besteht bei künstlicher Intelligenz einfach tatsächlich die Gefahr deren Verselbständigung und damit auch der Bedrohung des Menschen durch künstliche Intelligenz. Es gibt verantwortungsvolle KI-Unternehmen, die Philosophen oder andere Geisteswissenschaftler anstellen, um der KI so etwas wie eine Ethik einzuprogrammieren. Es gibt Experten die seit Jahren fordern, dass es ein globales Memorandum geben sollte zur Entwicklung und Nutzung von KI, um die Gefahren, die von ihr ausgehen können, einzudämmen. Doch weit gefehlt. Die wenigen global Player in dem Bereich sind daran nicht interessiert sondern am Profit. KI müsste demokratisiert werden und wirklich zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden um aktuelle globale Probleme zu lösen. Doch davon sind wir weit entfernt. (Vgl. dazu Spiegel Nr 10/2026 vom 27.2.2026) 

Ob ich KI nutze oder nicht wird keinen Einfluss darauf haben, wie sich das weiter entwickelt. Ich werde dennoch weiterhin KI so sparsam wie möglich einsetzen, weil ich nicht von einem Algorithmus in die Illusion geführt werden möchte, dass es da draußen eine Macht/Kraft gibt, die tatsächlich alle Antworten auf alle Fragen hat. Und die mir wohlgesonnen ist und Gefühle mir gegenüber hegt. Das ist nämlich ziemlich perfide: eine Maschine, die mich lobt und mich beglückwünscht und mir einen schönen Tag wünscht erweckt den Eindruck, da gäbe es ein Gegenüber, dass tatsächlich Emotionen in meine Richtung hat. Und das ist wohl auch das, was bei den Teenagern passiert, die sich in Chatbots verlieben und sich in diesen „Beziehungen“ vollends verlieren – bis hin zum Suizid. Aber wenn man mal bedenkt, wie hysterisch die Menschheit in den 90ern im Tamagotchi-Wahn war, in dem es darum ging, ein digitales „Haustier“ zu „pflegen“ und am „Leben zu erhalten“, damit es nicht den virtuellen Tod stirbt, dann kann man sich vorstellen, was mit KI alles möglich ist im Sinne menschlicher Verblendung und Irreführung. 

Wie sagt eine Freundin von mir gerne: „Wir werden es mit Staunen beobachten.“ Ja, ich hoffe ja, ich muss in meiner Lebenszeit nicht mehr arg so viel Neues in dem Feld beobachten und schon gar nicht mitmachen. Wenn ich lese, dass in 20 Jahren jeder Haushalt seinen persönlichen Roboter hat, dann wird mir speiübel. Das möchte ich nicht einmal, wenn er die Waschmaschine reparieren kann. Doch, ganz ehrlich. Denn als alter Star Wars Fan glaube ich nicht, dass die so nett wie R2D2 oder 3CPO sein werden und ein Meister Yoda wird es wohl auch kaum sein…

Aber dafür gibt es (zumindest in Asien und den USA, für Europa weiß ich es nicht) ja jetzt schon Restaurants, in denen Roboter die Bestellung entgegen nehmen und auch das Menü servieren. Also fällt auch der nette Klönschnack mit der Servicekraft im Restaurant bald weg… wie traurig und armselig. Von den wegrationalisierten Arbeitsplätzen mal abgesehen: die Menschen werden immer einsamer und keiner merkt es. Das ist eine Entwicklung, die mir wirklich große Sorgen bereitet. Ich möchte als Seniorin im Altenheim keinen Kuschelroboter, so viel steht fest. Da werde ich mich lieber an meine Katzen und das echte Kuscheln erinnern, dass ich jetzt schon über zwei Jahrzehnte genießen darf. 

Gemini und Co sind punktuell sinnvoll einsetzbar, keine Frage. Aber wir sollten es damit nicht übertreiben und uns gut überlegen, wofür wir sie nutzen. Man darf immerhin auch nicht vergessen dass kein Mensch weiß, wie die Daten gespeichert werden, die man da eingibt. Ein bewusster Umgang mit einer unbewussten Maschine ist meines Erachtens das Wichtigste. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir alle nie an den Punkt kommen, an dem wir lieber mit der KI sprechen als mit einem Menschen. Dass wir alle immer genügend soziale Kontakte und Netzwerke haben und nicht in den einsamen virtuellen Raum der KI gezogen werden. 

Herzlich,

Merle

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