Yava auf Rezept!

Auch wenn ich mir schon öfter in meinem Leben einen Hund als Begleiter gewünscht habe, so bin ich doch ein Katzenmensch. Ich mag an Katzen, dass man sie nicht wirklich erziehen kann, dass sie unabhängiger sind und ich empfinde sie als eigenwilliger und dickköpfiger als Hunde… zumindest wenn ich mir die Exemplare beider Spezies anschaue, die ich kenne.

Bei Hunden bin ich sehr ambivalent: ich hatte vor Jahren für einige Wochen einen jungen Magyar Vishla bei mir und wollte ihn eigentlich in „Teilzeit“ übernehmen – aber abgesehen von den organisatorischen Hindernissen, die das mit sich brachte, musste ich feststellen, dass so ein Hund halt doch sehr viel mehr Präsenz und Aufmerksamkeit braucht als eine Samtpfote. Natürlich ist das besonders bei Welpen der Fall, aber in gewissem Maße hat man eigentlich immer ein Anhängsel und jemanden der möchte, das man ihm zeigt, was er tun soll. Das hat mich sehr angestrengt und im Nachhinein bin ich froh, dass ich den Hund nicht übernehmen konnte und er letztlich auf einem großen Hof ein Zuhause gefunden hat. Davon abgesehen habe ich in den letzten Jahren ein paar sehr unschöne Begegnungen mit fremden – großen und kleinen – Hunden gemacht, so dass ich durchaus auch mal Angst oder doch sehr viel Respekt vor ihnen habe. Ich bin mir zumindest immer bewusst, dass an einem Ende ein ziemlich großes und scharfes Gebiss eingebaut ist. Wenn mein Kater damals seine irren fünf Minuten bekam und mich im Spielwahn biss, war das eine Sache – wenn ein schlecht erzogener Hund das macht, kann das ganz anders ausgehen…

Nun ist es so, dass eine sehr gute Freundin von mir einen Hund hat. Die Zwergpudeldame Yava. Ich habe eben nachgesehen, ich habe bereits im September 2018 über Yava geschrieben und darüber, wie unfassbar viel Freude dieser kleine Hund versprüht. Aber was sage ich – Hund. Sie ist eine Therapeutin, eine verkleidete Katze, Spielgefährtin und manchmal auch einfach verwöhnter Schoßhund. In jedem Fall ist sie einzigartig und mir wurde das heute wieder bewusst, als ich ein paar Stunden auf sie aufpassen durfte. Trotz Regens bin ich mit ihr spazieren gegangen, beziehungsweise habe ich es versucht, denn Yava hasst Regen aber schließlich sind in so einem Tier ja Substanzen drin die raus wollen, also bewegte ich sie zu einer kleinen Runde. Und dabei erinnerte ich mich daran, wie wohltuend und hilfreich es war, als ich vor vielen Jahren regelmäßig mehrmals die Woche mittags mit ihr zum Spazierengehen bin. Damals wohnte ich noch ganz in der Nähe und es bot sich an – und ich merkte heute, dass ich das vermisse! Natürlich ist Bewegung an sich schon Medizin – aber Yava macht aus einem Spaziergang eben etwas anderes als das Herumtrotten weil man weiß, dass es gesund ist. Ich kenne keinen Hund der auch dieses derart ausgeprägte Flair von „Hier komme ich und ich bin die Beste!“ hat. Und ihr Gewedel und freudiges Traben ist ansteckend. Sie ist immer freundlich (gut, außer es kommt ein sehr viel größerer Hund daher, dann wird gekläfft…), sie ist gut erzogen und was ich meist sehr charmant finde, ist, dass einen völlig Fremde anlächeln, weil sie dieses Freudeknäuel sympathisch finden. Wer Kontakte knüpfen möchte, sollte sich dringend einen gut verträglichen Hund zulegen und spazieren gehen – man kommt bestimmt ins Gespräch! Und wenn man das nicht möchte, guckt man eben missmutig drein, das funktioniert in der Regel auch.

Warum schreibe ich das alles? Ist das nicht das Äquivalent dazu, süße Katzenfotos zu verschicken?? 
Ja und nein. Was ich vermitteln möchte ist meine Freude und mein Staunen darüber, dass so ein kleines Wesen so viel Einfluss auf das eigene Wohlergehen haben kann. Und natürlich ist meine Katze auch eine nicht enden wollende Quelle des Wohlbefindens für mich. Nur kann ich sie halt nirgends mit hinnehmen. Das macht einen Unterschied. Ich befinde mich ja zur Zeit in einer doch eher depressiven Phase und war heute baff, was für ein anderes Gefühl es ist, mit Hund spazieren zu gehen als ohne. Plötzlich macht das Sinn! Ich wusste schon noch, dass mir die Spaziergänge früher wirklich gut getan haben, aber dass sich das so frappierend anders anfühlt, wusste ich nicht mehr. Und dann bleibt so ein Tier ja auch immer wieder stehen und muss „Zeitung lesen“ – was mir die Gelegenheit gibt, achtsam zu sein und bewusst im Hier und Jetzt anzukommen. Ich gehe nicht gesenkten Hauptes zielgerichtet die Straße entlang sondern nehme bewusst wahr und flaniere mehr als dass ich mein Pensum abrenne. Was für eine Wohltat. 

Angesichts dessen müsste man eigentlich eine Yava auf Rezept bekommen können. Bei Depressionen und Motivationslosigkeit scheint sie mir das Mittel der Wahl. Und es reut mich sehr, dass ich inzwischen in einer völlig anderen Ecke der Stadt wohne und sie mir nicht häufiger schnappen kann. Wobei sie auch in der Regel tagsüber Betreuerinnen hat, die sie eigentlich nicht hergeben wollen… sie ist eben sehr begehrt. 

Und natürlich habe ich heute wieder mal darüber nachgedacht, ob es nicht doch irgendwann gut und möglich für mich wäre, mir einen Hund anzuschaffen. Aber wie immer komme ich zu dem Ergebnis, dass ich mir in der Zukunft kein Haustier mehr zulegen möchte. Ein Abschied in der Vergangenheit und einer, der noch in der Zukunft liegt, reichen mir vollauf. Und auch mit Hund ist man auf eine Weise angebunden, die ich irgendwann nicht mehr haben möchte.

Also hoffe ich, dass uns Yava noch lange erhalten bleibt und ganz viel Freude verbreiten wird. 

Die Moral von der Geschicht lautet: klein, aber oho! Und: wir sollten niemals die Bindung unterschätzen, die man zu einem Vierbeiner aufbauen kann. Das mag manchen übertrieben oder albern vorkommen; ich finde, unsere Haustiere sind ein Geschenk, dass man gar nicht hoch genug wertschätzen kann. Gut, ich weiß jetzt nicht, wie das mit Hamstern oder Schildkröten ist, aber die, die man kuscheln kann und die richtig in Interaktion gehen, die können schon medizinische Wirkung haben. 

Und mit diesen Gedanken verabschiede ich mich für heute und und fordere alle Besitzer*innen von Vierbeinern auf: bedankt Euch ab und an bei ihnen – sie tragen sehr viel mit und sind doch für uns da.

Herzlich,

Merle

2 Gedanken zu „Yava auf Rezept!“

  1. vor allerhand jahren hatte ich auch mal einen solchen gasthund, den ich am liebsten nicht mehr hergegeben hätte. irgendeine nachbarin hatte seine „übernahme“ über die feiertage angeboten, sich dann aber anders besonnen und mir das tier aufgeschwatzt. süßer kerl und sehr anhänglich. saß ich auf dem sessel, flutschte er unter meinen kuschelarm, ging ich in die küche, trabte er hinterher. ging ich ins bett (und zeigte ihm seinen schlafplatz auf dem schaffell vor dem bett), lag er dort genauso lang bis ich eingeschlafen war und flutschte dann wieder unter meinen kuschelarm. nach 4-6 bettrausschmissen kapitulierte ich und nicht er. und morgens nahm er meinen ersten wachschnaufer wahr, um an der tür zu kratzen. das war das jahr, in dem ich zu joggen, morgens vor der arbeit, anfing. das tat mir gut, ihm gefiel es. und alles hätte prima sein können, wenn sich die besitzer nicht besonnen hätten, ihn zwar nicht zu behalten, aber an eine familie mit garten abgeben zu wollen.

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